20 Jahre Heimatortsgemeinschaft

>5. Zuckmantler Nachbarschaft<

Das 8. Zuckmantler Heimattreffen im Gesellschaftshaus in der Gartenstadt zu Nürnberg vom 5. bis 7. September 2003 war ein würdiger Rahmen, diese verflossene Zeitspanne des Bestehens unserer Gemeinschaft, psychisch und physisch, gebührend zu feiern und ihr einen kulturhistorischen Nachdruck zu verleihen in Form von Brauchtums- und Traditionspflege sowie gelebtem Leben in unserer alten und neuen Heimat.

Liebe Landsleute, liebe Freunde, liebe Leserinnen und Leser!

Was sind schon 20 Jahre, wird sich der eine oder andere von euch fragen, in der Relation von über 850jähriger sächsischer Geschichte, und was kann schon in 20 Jahren Bedeutendes passieren, um den Wert dieser Zahl fett zu unterstreichen. Diese Frage ist berechtigt im Vergleich zur biblischen Zeitrechnung oder zu astronomischen Lichtjahren, wo die 20 nur eine stäubchenkleine Zahl ist, die aber dennoch zählt für das Geschehen um uns herum und für das Leben jedes Einzelnen von uns, jetzt. Wir sind alle 20 Jahre älter, aus dem Säugling von damals ist ein erwachsener Jugendlicher geworden. Der zweite Weltkrieg dauerte knapp 6 Jahre und brachte dennoch immense Veränderungen in dieser Welt. In diesen Sog der Ereignisse gerieten auch die Siebenbürger Sachsen, und ihr Exodus (gem. deutschem Wörterbuch: „Auszug eines Volkes aus einem Land“) ist eine Folge dieser Ereignisse, eine unwiederkehrbare Tatsache, glaube ich. Und genau in der Zeitspanne dieser 20 Jahre vollzog sich die große Wende, auch bei den Zuckmantler, denn aus unseren Nachrichtenheften ist ersichtlich, dass es vor 20 Jahren im siebenbürgischen Zuckmantel noch vier funktionsfähige Nachbarschaften gab und wir hier im Westen, aus dieser Überlegung heraus, unsere Heimatortgemeinschaft die >5. Zuckmantler Nachbarschaft< benannten.

 In Nachrichtenheften und Protokollen geblättert

Schon die Zahlen, die vorliegen, sind beeindruckend. Es wurden in 20 Jahren 27 Rundschreiben herausgegeben mit einer Gesamtseitenzahl von 459 DIN-A4-Seiten Text und 532 schwarz-weiß sowie Farbbilder. Ein beachtliches Dokumentationsmaterial in Schrift und Bild, das das Leben der Zuckmantler in Ost und West widerspiegelt und der Nachwelt in verschiedenen Bibliotheken dieses Landes zur Verfügung und zur Einsicht angeboten wird. Gleichzeitig entnehmen wir den 38 Protokollen der Vorstandssitzungen, dass sich in dieser Zeit viele Zuckmantler ehrenamtlich und selbstlos zur Verfügung gestellt haben, um überhaupt diesen Verein aus der Taufe zu heben und anschließend mit Leben zu erfüllen. Ab der ersten Besprechung des Arbeitskreises (da gab es noch keinen gewählten Vorstand) am 10.01.1982 bei Familie Maria & Heinrich Funtsch in Nürnberg bis zur 38. Besprechung bei Karin Funtsch am 18.10.2003 in Nürnberg, das sind über 300 Stunden Arbeitsbesprechung, wurden die anstehenden Probleme unserer Heimatortsgemeinschaft, oft in hitzigen Debatten, aber fair, analysiert, abgewogen, nach Lösungen gesucht, diese protokollarisch festgelegt, und anschließend nach bestem Wissen und Gewissen, zum Wohle der Gemeinschaft, die Aufgaben auf die Vorstandsmitglieder oder freien Mitarbeiter zur Ausführung verteilt. Bei diesen Sitzungen wurde immer demokratisch vorgegangen und nach einfachem Mehrheitsprinzip abgestimmt. Und so ist es bis heute geblieben. In diesem Kontext sind auch die Erfolge dieser verflossenen 20 Jahre einzuordnen, wobei ich nicht zu behaupten wage, wir hätten alles getan. Wir hätten bestimmt noch mehr leisten können, gemäß dem Motto: „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“ (Voltaire)

Schon die Eintragungen in den 38 Protokollen, akribisch geführt von Karl Haydl und nun von Karin Funtsch, ist eine Lektüre für sich und enthält die Problematik der Zuckmantler hinter dem „Eisernen Vorhang“ und derer, die sich in der Freiheit wähnten, aber mit dem Herzen noch „drüben“ weilten. Die Protokolle sind ebenfalls ein Dokumentationsmaterial über die Zuckmantler, Material, das gebunden in die Bibliothek nach Gundelsheim gehört, um Interessierten zur Verfügung zu stehen. Wir lesen hier über Hilfeleistungen verschiedenster Art nach Zuckmantel, Lebensmittel- und Weihnachtspakete, Zusendung eines Diaprojektors mit Leinwand und Dias vom 2.Zuckmantler Treffen, sowie Dias mit christlichem Charakter für den Religions- und Konfirmandenunterricht, Orgelreparatur, Zuckmantler Kirchenbücher (die sich z.Z. in der Bibliothek in Gundelsheim befinden), Begrüßungsgeschenke für Neuankömmlinge in der Bundesrepublik, Beileidskarten und 30-DM-Spende bei Todesfällen, Beschluss über Kranzniederlegungen beim Mahnmal in Dinkelsbühl, u.v.a.m.

Und nach der Wende

steht im Protokoll Nr. 16 u.a.: „Unterstützung der Neuankömmlinge durch: Hilfe zur Selbsthilfe, - Papierkrieg - Hilfe bei Wohnungs- und Arbeitssuche, - moralischen Beistand -“. Ein Adressenheft wurde erstellt ( ElisabethTheil ) und an alle Zuckmantler verteilt, der Friedhof wurde mit einer 2,20 m hohen Betonmauer umzäunt, die Kirche außen und innen renoviert und die Wiedereinweihung am 09.06.2002 mit einem großen Fest gefeiert. Herr Bischof D. Dr. Christoph Klein hielt die Festpredigt und sagte: „ Eure Kirche kann man von weither sehen und sie ist zum Symbol, zu einem Wahrzeichen des ganzen Ortes geworden “.

In Deutschland feierten wir am 08.07.1995 das erste Kronenfest in Nürnberg, am 31.05.1996 beteiligten sich die Zuckmantler zum ersten Mal in Dinkelsbühl beim Heimattag mit einer Trachtengruppe beim Umzug, 1994 wurde das erste Adventsfest in Eibach gefeiert und ab 1999 ein Grillfest im Raum Ludwigsburg organisiert. Diese Handlungen sind seither zur Tradition geworden und gehören in den Terminplan der HOG Zuckmantel. Unsere amerikanischen Landsleute feierten am 13. Juli 2002 das erste Zuckmantler Treffen in Cleveland, Ohio, und schließlich und endlich enthüllten wir am 7. März 1995 eine Gedenktafel in der Johanniskirche in Eibach mit Pfarrer Dr. Zellfelder-Held in Gedenken an die Flucht 1944 mit dem Motto: „Heimat verloren 1944 - Heimat gefunden 1994“.

Das sind bei weitem nicht alle Aktivitäten und Realisierungen innerhalb dieser Zeitspanne von 20 Jahren. Es ist eher ein Querschnitt von Leistungen zu deren Verwirklichungen alle Zuckmantler, jeder nach seiner Leistungsfähigkeit, wesentlich beigetragen haben und folglich einen  gebührenden Dank verdienen. Es wurden in dieser Zeit aber auch Fehler gemacht von dem Vorsitzenden und von seinen Helfern, aber bestimmt nicht bewusst und gewollt!

Um Nachsicht möchten wir daher gebeten haben.

Von allein kommt nichts – selbstlose Mitarbeiter waren gefragt

Mein kurzer Einblick in „20 Jahre HOG Zuckmantel“ wäre bestimmt nicht tragfähig, würde ich nicht auch die Personen nennen, die als Vorstandsmitglieder, Regionalvertreter oder freie Mitarbeiter in vielen, vielen freiwilligen Stunden zum Bestehen und Gedeihen dieser Gemeinschaft beigetragen haben. Ihnen gebührt unser aufrichtiger Dank (in Klammer sind die aktiven Jahre der einzelnen Personen aufgeführt) Susanna Bahm, USA (3), Hilda Böhm (3), Andreas Funtsch (3), Anna Funtsch (15), Heidrun Funtsch (3), Heinrich Funtsch sen. (3), Heinrich Funtsch jun. (6), Karin Funtsch (3), Maria Funtsch (6), Liane Groth (3), Karl Haydl (19), Frieda Kramer (18), Susanna Kramer, USA (9), Helmine Krauss, Österreich (18), Margarete Müller (12), Hans-Georg Müller (3), Helmut Müller (20), Sara Müller (6), Willi Müller (9), Hilda Müller, Kanada (18), Maria Switalsky, Kanada (6), Sofia Schmidt (3), Wilhelm Schuller (3), Elisabeth Theil (9), Georg Theil (3), Sara Theil (3), Johann Schmidt (3), August Wagner (6), Katharina Wagner (9), Stefan Wagner (3), Erika Wester (6), Harald Wester (6).

Über „20 Jahre Heimatortsgemeinschaft“ wäre im Detail viel, viel mehr zu berichten, als ich es hier getan habe. Diese Leistungen können Sie zum Teil aber nachlesen, in unseren Rundschreiben, die Wert sind, als Buchform gebunden und aufbewahrt zu werden, denn für ein Heimatbuch hat es noch nicht gereicht - und gemeldet hat sich auch noch niemand, der eine Ortsmonografie von Zuckmantel erstellen möchte.

Der gewählte Vorstand beim Heimattreffen wird trotzdem gewissenhaft und selbstlos die Arbeiten, die im nächsten Jahr anstehen, versuchen durchzuführen und keine Mühe scheuen, den guten Ruf, den die Zuckmantler HOG auf Bundesebene besitzt, zu verteidigen. Diesen guten Ruf haben wir, Karin Funtsch und Helmut Müller, auch auf dem Verbandstag der HOG’s vom 14. - 16. November 2003 in Immendingen, wo über 120 Vertreter der Heimatortsgemeinden anwesend waren, zu Gehör bekommen. Da waren wir echt stolz darüber. In diesem Sinne bedanke ich mich nochmals bei allen Zuckmantlern, die zur Heimatortsgemeinschaft stehen und diese auch in Zukunft unterstützen.

Ich schließe mit einem Wort von Martin Luther King:

„Kein Problem wird gelöst, wenn wir träge darauf warten, dass ein Zuständiger sich darum kümmert.“

In Verbundenheit

Helmut Müller