Geschichte

Vor 675 Jahren wurde die Gemeinde des Zwischenkokelgebiets erstmals urkundlich erwähnt.

Die im Zwischenkokelgebiet - in unserem Schrifttum auch "siebenbürgisches Mesopotamien" genannt - liegende Gemeinde Zuckmantel wird urkundlich erstmals im Jahre 1325 genannt. Das Dorf ist natürlich früher gegründet worden, es dürfte etwa 75 Jahre älter als die erste urkundliche Erwähnung sein. Das Zwischenkokelgebiet ist wahrscheinlich bis um die Mitte des 13. Jahrhunderts mit deutschen Kolonisten besiedelt worden. Die Ansiedlung erfolgte aber hier nicht auf freiem Königsboden sondern auf Adels- bzw. Komitatsboden.
Die Zuckmantler Sachsen waren somit nicht freie Bauern sondern Untertanen meist ungarischer Adliger. Ihre rechtliche Lage unterschied sich dennoch von derjenigen der übrigen, in Sonderheit der rumänischen und ungarischen Hörigen (Jobagen) durch einige Sonderrechte. Hätten die Grundherren den sächsischen Kolonisten diese nicht zugestanden, hätten sich die Siedler nicht auf deren Gütern niedergelassen.
Die Gemeinde besaß dementsprechend weitgehende Verwaltungs- und Gerichtsautonomie. Die niedrige Gerichtsbarkeit stand also nicht dem Grundherren zu, sondern dem von der Dorfgemeinschaft gewählten Hann und den Geschworenen, wobei die Berufung an den Stadtmagistrat von Schäßburg und nicht wie sonst auf Adelsboden an die Komitatsgerichte erfolgte. Die Siedler hatten zudem das recht auf freie Wahl des Pfarrers, an den die Gläubigen einen Teil des Zehnten entrichteten. Wald und Weideland waren Gemeinschaftseigentum der Gemeinde, die über deren Nutzung bestimmte. Mühl-, Schank-, Jagd- und Fischereirecht befanden sich ebenfalls im Besitz der Dorfgemeinschaft. Die Bauern besaßen Freizügigkeit, waren also nicht an die Scholle gebunden.
Die Zuckmantler erfreuten sich somit einer Zwischenstellung zwischen den freien und hörigen Bauern Siebenbürgens. Worin bestand dennoch ihre Abhängigkeit? Das Ackerland gehörte dem Grundherren, der es, wie auch sonst auf Adelsboden, den Bauern bloß zur Nutzung überließ. Dafür hatten die untertänigen Bauern dem Edelherren Abgaben von allen ihren Erzeugnissen abzugeben sowie Frontage zu leisten. Die größte Abgabe in Natura bestand in der Lieferung von Wein.
Die Bauern durften aber auch abgabenfreien Grund erwerben und besitzen, was für viele Familien ein starker wirtschaftlicher Rückhalt war. Gerodeter Boden wurde Freiboden, worauf meistens Weinberge angelegt wurden. Es lebten zudem in Zuckmantel und den sächsischen Nachbargemeinden auch Freibauern, die dem Edelherren gegenüber keine Verpflichtungen hatten, dafür aber die landesüblichen Steuern auf ihre Einkünfte zahlten. In Zuckmantel gab es im Jahre 1790 neben etwa 70 untertänigen 14 freie Höfe.
Im 18. Jahrhundert versuchten die Adligen, die Sonderrechte ihrer Untertanen abzuschaffen und die Bauern zu gewöhnlichen Jobagen zu degradieren. Dagegen wehrte sich die bedrohte Bevölkerung, und folgende 13 Gemeinden bildeten eine Kampfgemeinschaft und versuchten vor Gericht und in Bittschriften an alle Instanzen ihren Rechtszustand zu verteidigen: Marienburg, Nadesch, Zuckmantel, Felldorf, Zendersch, Maniersch, Maldorf, Johannisdorf, Reußdorf, Kleinalisch, Kleinlasseln, Rode und Irmesch. Durch das gemeinsame Vorgehen gegen die Grundherren, das 1751 begann, wurden sie als die "dreizehn Gemeinden" bekannt. Der Streit erstreckte sich über Jahrzehnte, wobei eine Bauerndelegation sogar in Wien bei Kaiser Joseph II. vorstellig wurde, endete aber nach landtäglichem Beschluss 1793 mit der Niederlage der Bauern. Die Grundherren eigneten sich Wälder und Weiden sowie die Freigründe an. Die Bauern behielten bloß das Abholzungsrecht in den Wäldern. Die Freibauern verloren ihren Grund, ebenso die untertänigen Bauern ihren unbelasteten Freiboden und mussten dafür künftig auch Abgaben und Robott leisten. Für Rodungsländer wurde nur sieben Jahre Abgabenfreiheit gewährt. Die Betroffenen reichten neue Klagen gegen die Neuverteilung der Besitzrechte ein und übergaben dem Gubernium, dem Landtag und den Komitatsbehörden Klage- und Bittschriften. Es wurden daraufhin Unersuchungskommissionen in die Gemeinden entsandt, die Ungerechtigkeiten feststellten und meldeten, ohne dass sich jedoch etwas änderte. Es musste die Revolution von 1848 kommen, um die hörigen Bauern zu befreien.
Die Urbarialgesetze von 1848 und 1854 zur Regelung des adligen und bäuerlichen Besitzanteiles an der Gemeindeflur bestätigten dennoch den vorher vollzogenen Bodenraub. Ein Großteil das Bodens, vor allem Wälder aber auch Ackerland und Weinberge verblieben im Besitz der Adligen. In Zuckmantel waren elf Edelherrn begütert. Sie besaßen nach einer Erhebung aus dem Jahre 1876 zusammen 1056 Joch, während die Bauern nur 1915 Joch im Besitz hatten. Die Adligen boten ihre Anteile zum Verkauf an, und diese sind in den folgenden Jahrzehnten von den Bauern erworben worden. Am Kauf beteiligten sich auch rumänische Bauern, die sich in der ehemals rein sächsischen Gemeinde niedergelassen hatten. Im Jahre 1857 zählte Zuckmantel bei einer Gesamteinwohnerzahl von 846 neben 546 Sachsen, bereits 243 Rumänen, 11 Ungarn und 46 Zigeuner.
Es wurden von den seit 1848 freien Bauern große wirtschaftliche Anstrengungen gefordert, um adlige Bodenanteile kaufen zu können und ihrem Dorf samt Häusern ein anderes Aussehen zu geben. Bischof Georg Daniel Deutsch, der während einer Kirchenvisitation im Juli 1884 Zuckmantel und die Nachbargemeinden besuchte, stellte in seinem Bericht mit Genugtuung unter anderem fest: "Auf dem früheren Adelsboden tritt überall der Segen der neuen ´Freiheit´ sichtbar hervor; wo früher Stroh- und Holzhütten waren, stehen jetzt schmucke Steinhäuser, eine Freude fürs Auge; man braucht nur nach Peschendorf, Zendersch, Manyersch, Zuckmantel zu gehen, um am Dorf und seinen Bewohnern sich zu erquicken." Er vermerkt ferner, dass Zuckmantel seit 1870 eine neue, von ihm eingeweihte Kirche besaß und zeigte sich erfreut beim Anblick der Bruder- und Schwesternschaft in ihren Kirchentrachten.
Es ging also auch in den ehemaligen Jobagendörfern allmählich aufwärts, obwohl sie gegenüber den Gemeinden des ehemaligen Königsbodens meistens weniger wohlhabend waren. Für die Weinbaugebiete des Kokeltales erfolgte zudem gegen Ende des 19. Jahrhundert ein schwerer wirtschaftlicher Schlag, da die Reblaus (Phyloxera) die Weinreben vernichtete. Zahlreiche Sachsen wanderten damals nach Amerika aus. Einige kehrten mit dem dort verdienten Geld in die Heimat zurück, viele blieben aber für immer weg. Die Weingärten konnten durch neue Anlagen mit Rebsorten auf resistenten amerikanischen Wurzelstöcken bis vor dem Ersten Weltkrieg wieder tragfähig gemacht werden.
Im 20. Jahrhundert befolgte Zuckmantel bis 1944 die allgemeine Entwicklung der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinden. Der Herbst 1944 brachte dann einen plötzlichen und unerwarteten historischen Einschnitt. Seit dem Wiener Schiedsspruch von 1940 als Grenzort an der neuen rumänisch-ungarischen Grenze gelegen, wurden die Sachsen aus Zuchmantel im September 1944 von der deutschen Wehrmacht zur Flucht gedrängt. Nur wenige von ihnen sowie Rumänen und Zigeuner blieben zurück.
Das Kriegsende erreichte sie in verschiedenen Auffanglagern Österreichs, Deutschlands und der Tschechoslowakei. Etwas mehr als die Hälfte der Zuckmantler, die sich in den sowjetischen Besatzungszonen befanden, mussten in ihr Heimatdorf zurückkehren, wo ihre Häuser besetzt waren und der Boden enteignet worden war. Allmählich mussten sie sich mit den neuen sozialistischen Verhältnissen abfinden. Gegenüber 1941, als nach der amtlichen Zählung in Zuckmantel 794, nach der kirchlichen Erhebung von 1939 jedoch 940 Sachsen lebten, wurden nach der Flucht im Jahre 1950 bloß 472 gezählt. Ab den 60-er und 70-er Jahren nutzen immer mehr die sich bietenden Chancen zur Familienzusammenführung und Aussiedlung in die Bundesrepublik. Heute leben in Zuckmantel insgesamt 24 Sachsen, einschließlich Kinder aus Mischehen.
Von den im Westen verbliebenen Zuckmantlern wanderte ein Teil nach Kanada und in die USA aus. Somit leben die einstigen sächsischen Bewohner der Zwischenkokelgemeinde heute verstreut in mehreren Ländern und Orten, die meisten davon in Nürnberg-Eibach. Darüber findet man im Mitteilungsblatt der 5. Zuckmantler Nachbarschaft bzw. Heimatortsgemeinschaft zahlreiche Beiträge. Das Mitteilungsblatt erscheint seit 18 Jahren und seit geraumer Zeit in einem Umfang von etwa 40 Seiten auf Hochglanzpapier im DIN A 4-Format unter der Redaktion von Helmut Müller, der zugleich Vorsitzender der HOG ist.
Die Zuckmantler HOG entfaltet ein äußerst rege Tätigkeit. Im Mitteilungsblatt von 1999 präsentiert H. Müller eine stolze Bilanz: Die im Jahr 1982 gegründete HOG bildet heute über Grenzen hinweg eine gefestigte Gemeinschaft. Seit 1982 fanden sechs Heimattreffen statt, in Nürnberg-Eibach wird jedes Jahr eine Adventsfeier sowie der Peter-und-Paulstag veranstaltet, seit 1996 beteiligen sich die Zuckmantler am Eibacher Kirchweihfest, die Trachtengruppe wirkt seit 1998 am Trachtenumzug des Heimattag in Dinkelsbühl mit. Im Bereich der humanitären Hilfe wurden Lebensmittelsendungen und Geldspenden nach Rumänien versandt, in Zuckmantel wurde der Friedhof mit einer Betonumfriedung versehen und die Kirche einer gründlichen Reparatur unterzogen.

von Michael Kroner

 

 

 

 

Und hier eine geschichtliche Darstellung aus dem 19. Jahrhundert, vom damaligen Pfarrer Römer.

 

Geschichtliche Nachrichten über die evangelisch-sächsische

 Gemeinde Zuckmantel

 von Georg Römer

geb. 20.Oktober 1822 in Felldorf

gest. 10. November 1889 in Zuckmantel

Pfarrer in Zuckmantel von 1854 bis 1889

 

Zur Erinnerung an die Jahresversammlung des Schäßburger Zweigvereins der Gustav-Adolf-Stiftung1) für Siebenbürgen am Fest Petri und Pauli 1876

I. Das Allgemeine über Zuckmantel

 Die Gemeinde Zuckmantel - ungarisch Czikmántor, rumänisch:Czikmandru, - im Kockelburger Comitat an der Reichsstraße, welche von der sächsischen Stadt Schäßburg in nördlicher Richtung nach der Székler-Stadt Maros-Vásárhely führt, 3 5/8 Meilen von dieser und 3 1/8 Meilen von jener gelegen, stand bis zum Jahr 1848 unter dem grundherrschaftlichen Unterthänigkeitsverhältnis drückender Robottschaft. Zuckmantel gehört zu den sächsischen Gemeinden des sogenannten Dreizehndörferbundes, der sein Entstehen und seine traurige Berühmtheit in den Annalen siebenbürgischer Comitatsrechtspflege vor 1848 einem langwierigen Urbarialprozess zu verdanken hat, welcher diese Gemeinden nicht weniger als 18.000 Gulden kostete, ohne für die beschwerdeführenden Verbündeten einen günstigen Erfolg zu haben. Für Zuckmantel namentlich wurde der Druck der Hörigkeit nachher weit härter.

Über Entstehung und Namen der Gemeinde liegt hierorts gar nichts vor, indem im Jahr 1770 das Pfarrhaus (und der größte Teil der Gemeinde bis auf die nackten Mauern abbrannte, wobei auch das Parochial- oder Kirchenarchiv mit allen darin aufbewahrten Schriften und Gemeindeurkunden ein Raub der Flammen wurde. Demzufolge beginnt der älteste hier vorrätige Matrikelband erst mit dem Jahre 1777. Auch bei der Abtragung des alten Gotteshauses kam nirgends eine Jahreszahl von antiquarischer Bedeutung zum Vorschein; obgleich dessen Mauern aus lauter Steinen aufgeführt, mit ihren bunten Heiligenbildern, welche beim Abbrechen unter der dicken Kalkübertünchung hervortraten, einer fernen Vorzeit angehören mussten. Die älteste Jahreszahl allhier findet sich am Schwungholz der mittleren Glocke eingeschnitten mit 1672. Die Glocke selbst trägt in gotischer Schrift den Spruch: "O Rex Gloriae veni cum pace" (verdeutscht: "O König des Ruhms [besser: "der Ehren"] komm mit Frieden").

Wenden wir uns zu dem Namen der Gemeinde, vielleicht dass dieser uns auf ältere Zeiten zurückführe. Der Name "Zuckmantel" scheint nicht nach dem Niederrhein, woher die meisten deutschen Ansiedler nach Siebenbürgen kamen, sondern mehr nach Schlesien hinzuweisen, wo das seit dem letzten Oesterreichisch-Preußischen Kriege wohlbekannte Städtchen gleichen Namens nahe der preußischen Grenze sich findet. Vielleicht dürfte diese Mutmaßung auch an den im Zuckmantler Dialekt wie im Preußischen ausgesprochenen weichen G einige Unterstützung finden. Denn das in preußischer Mundart gesprochene "Eine jut jebratene Jans ist eine jute Jabe Jottes" lautet im Zuckmantler Sächsischen: "An jäut jebreaden Joans esz an jäut Jäaw Jottes." /Rittername "Zucke den Mantel" - Reiß den Mantel/.

Die bis noch bekannte früheste urkundliche Erwähnung unseres Gemeindenamens (in der Urkundensammlung des Vereins für siebenbürgische Landeskunde) findet sich in einer Klageschrift aus dem Jahr 1366 vom 11. Mai, in welcher Ladislaus, der Sohn des Demeter aus Czykmantel und Stephan, Sohn des Thome aus Kend, auf dem Landtag in Thorda Klage führen gegen die Sachsen aus Bogách (Bogeschdorf) und Keurus (Kirtsch), weil diese den Thome, Vater des Stephan aus Kend, in seinem Hause erschlagen und ihm die Brückenmautprivilegien, welche er mit dem Demeter aus Czykmantel gemeinsam besessen, geraubt und vernichtet hatten.

Die hier genannten Kläger waren vermutlich Abkömmlinge einer in jeder Zeit unter den Sachsen häufig vorkommenden reichbegüterten Gräfenfamilie indem heute noch Teile auf dem hiesigen Hattertgebiet nach deren Namen benannt werden, als: "Stippa", ist der sächsische Name in unserer Gegend für Stephan; ferner "Nagy Tamás", ist ungarisch und heißt: "Großer Thomas".

In späteren Urkunden, in welcher unserer Gemeinde Erwähnung geschieht, ist die Schreibart für ihren Namen eine sehr wandelbare. So wird derselbe nach Müllers "Deutschen Sprachdenkmälern" im Jahr 1377 urkundlich "Czekmantel", im Jahr 1413 "Czekmanthol" und auch "Chikmantel", und im Jahr 1491 in einem Schriftstück, das im Schäßburger Archiv aufgehoben ist "Czukmantel" geschrieben. Die auf dem jetzigen Pfarramtssiegel stehende Benennung "Zuckmannthal" ist eine empörende orthografische Eigenmächtigkeit. Dagegen haben wir uns nun auf die neuangeschaffte Stampiglie 2) den rechten Namen "Zukmantel" eingravieren lassen.

Die Gründer unserer Gemeinde dürften wohl unter den nämlichen Bedingungen sich hier angesiedelt haben, wie die der übrigen sächsischen Comitatsgemeinden zwischen den beiden Kokeln. Und zwar müssen jene Bedingungen sehr vorteilhaft gewesen sein; nicht im Entferntesten ähnlich dem späteren Hörigkeitsverhältnis, das sich zu den drückendsten Frohndiensten ausgewachsen hatte. Anders wäre kein Deutscher auf den Gedanken gekommen, hier als geknechteter Frohnbauer sein Heim zu gründen. Auch wäre es den Ortschaften Nadosch, Manyersch, Feldorf, Zendersch, Rod, Klein-Alisch, Irmesch, Johannisdorf, Reussdorf nicht möglich gewesen, gleich den Gemeinden auf freiem Königsboden ihre Kirchen mit festungsartigen Schutzmauern zu umgeben; es würde ihnen dazu an Mitteln und an Zeit gefehlt haben.

Soviel ist sicher anzunehmen: diese Gemeinden waren mit den vorteilhaftesten Privilegien versehn; wann, wo, wie ihnen diese Gemeindefreibriefe, von denen noch einige unwesentliche hier, dort in den Kirchenarchiven aufbewahrt liegen, verloren gingen, ist noch ein Rätsel.

Bis zum Jahr 1780 war Zuckmantel ein rein sächsisches Dorf, nur die Viehhirten, etwa vier Familien, gehörten der romänischen Nation an. Nachher beriefen die hiesigen adligen Grundherren wiederholt Romänen als Inquilinen3) hieher und beteiligten dieselben bei der neuen Hattertaufteilung im Jahr 1804, gleich den übrigen Grundholden mit Grundstücken und mit einer nicht unbedeutenden Portio canonica4), worauf die Romänen, welche sich bisher zu der griechisch-orientalischen Kirchengemeinde Nadosch gehalten hatten, zum unirten5) Ritus übertraten, sich einen Popen wählten und 1820 den Grund zu einer ziemlich geräumigen Kirchen legten, deren Bau sie im darauffolgenden Jahr vollendeten.

Im Ganzen zählt Zuckmantel gegenwärtig zuständige Bewohner:

a) Sachsen, evangel. Augsb. Confession ........................   641 Seelen

b) Deutsche, römisch-Katholische ................................      14   "

c) Deutschböhmen, röm.-Kath.........................................     4   "

d) Ungarn, evangel. Helvet. Confession ........................        25   "

e) Romänen, griechisch-Katholische .............................     249   "

f) Zigeuner, griechisch-Katholische .................................     33   "

g) Israeliten, mosaisch .....................................................    6   "

                                                                                  ---------------------------------

                                                                       zusammen     972 Seelen

 

Die Beschäftigung dieser Einwohnerschaft ist vorwiegend der Landbau. Vertreter anderer Berufsarten sind hier ansässig: drei Schuster-, ein Tischler- und ein Wagnermeister, ein Greislereibesitzer6) und - gar nicht zum Nutzen der Gemeinde - sechs Schankwirte.Der große Übelstand so vieler Wirtshäuser hat seinen Grund in der gegentrotzigen Eigenwilligkeit der adeligen Grundbesitzer, deren jeder abgesondert das ihm zustehende Schankregale verpachtet; während, wenn sie sich auf einen, oder höchstens zwei Pächter einigen sollten, sie selbst einen bedeutenderen Nutzen beziehen, und auch die Gemeindeeinwohner nicht so vielfältiger Gelegenheit und Lockung zur Demoralisation ausgesetzt sein dürften.

Das Hattertgebiet bildet einen Gesamtflächenraum von 2972 Joch7) 1267 Quadratklaftern8), welches Areale nach den üblichen Kulturgattungen folgendermaßen zwischen die adeligen Grundbesitzer und die Gemeinde verteilt ist:

 

I.                                  Adeliger Besitz           Nichtadeliger Besitz               Zusammen

 

A. Äcker                       334 J    82 Qkl.           941 J   486 Qkl.                    1275 J    568 Qkl.

B. Wiesen? Gärten          90     729                 175      243                             265      972

C. Weingärten                 25     778                 969      102                             102      147 (?)

D. Hutweide                    43     449                 236      778                              279    1227

E. Waldung                   548     720                 337    1055                              922      175 (?)

F. Unproduktiv                 15     399                 112      979                              127    1378

            ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

            Summe9)         1056   1557                1915    1310                            2972    1267

 

Für den Unterricht ihrer Kinder unterhält die Gemeinde eine zweiklassige Volksschule, in welcher gegenwärtig 115 schulbesuchenden Kindern, nach Geschlecht nicht getrennt, von zwei Lehrern Unterricht ertheilt wird. Der Schulbesuch ist ein zufriedenstellender. Schulversäumnisse kommen meistens nur in Krankheitsfällen und aus andern zu entschuldigenden Ursachen vor. Der Bildungs- und Sittlichkeitszustand der Gemeinde ist ein rühmlich fortschreitender. Dafür zeugen auch die in der Gemeinde bestehenden Vereine. Am Ortsverein der Gustav-Adolf-Stiftung betheiligen sich alle Hausväter als Mitglieder desselben. Hierdurch angeregt haben auch die Hausmütter einen Frauenverein gegründet, für eine würdige innere Ausstattung des Gotteshauses. Der hiesige frühere Leseverein hat sich seit dem Inslebentreten des "Dreizehndörfer-Bezirksverein für Landwirthschaft" diesem als "landwirthschaftlicher Ortsverein" angeschlossen, er hält regelmäßig monatlich eine Versammlung.

Reger Berufsfleiß, Liebe für Zucht und Ordnung in Haus und Gemeinde, Verständnis für vernünftigen Fortschritt sind hier so ziemlich einheimisch gewordene Tugenden. Daher fehlt es auch nicht an Folgsamkeit und Opferwilligkeit bei Ausführung des einmal erkannten Guten und Nothwendigen.

Bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von nur 300 fl. ö. W.9) für die Kirchenkassen, woher die jährlichen verschiedenerlei Steuern und Abgaben, die Instandhaltung der kirchlichen Gebäude u.s.w. bestritten werden müssen, hat die Gemeinde in letzter Zeit besonders auf kirchliche Neubauten viele und große Opfer gebracht.

Schon früher, im Jahr 1828, wurde das ansehnliche, an sich geräumige, leider aber nach seiner Raumeinteilung den jetzigen pädagogischen Anforderungen nicht entsprechende Schulhaus und in den Jahren 1845 und 1846 die Predigerwohnung erbaut. Mit gemauerten feuersicheren Scheunen und Stallungen wurden versehen 1858 der Pfarr- und 1861 der Predigerhof. Bei diesen Bauten, welche 1872 mit einer sehr dringenden Erweiterung des Pfarrhauses geschlossen wurden, leisteten die Gemeindemitglieder nur die Zufuhren und Handlangerdienste: Das für Baumaterialien und die Bezahlung der Baumeister erforderliche Geld wurde der Kirchenkasse entnommen. Umso größer waren dagegen die Opfer, welche die Gemeindeangehörigen für den Neubau der Kirche brachten, und noch fortwährend zur Tilgung der Kirchenbauschuld bringen müssen.

Angesichts des sehr baufälligen, jeden Augenblick den Einsturz drohenden und auch für die angewachsene Gemeinde viel zu klein gewordene Gotteshauses, wurde am 24. Februar 1857 in einer Gemeindeversammlung der einhellige Beschluss gefasst: eine neue Kirche zu bauen, zur Ermöglichung dessen jeder evangelische Hauswirth verpflichtet sein solle, solange es erforderlich sein werde, den zwanzigsten Theil seiner Mostfechsung10) alljährlich darzugeben. Zufolge dieses Beschlusses und in sicherer Aussicht auf ein zu erhaltendes Darlehen von 3000 fl. österr. Währ. aus dem Pensionsfonds der evangel. Landeskirche in Hermannstadt, wurde es der Gemeinde möglich am 6. Juni Pfingstdienstag 1865 zum Aufbau eines neuen Gotteshauses den Grundstein zu legen.

Der Bau zusammt der Beschaffung eines Altars, einer Kanzel und Orgel und überhaupt einer ganz neuen inneren und äußeren Einrichtung - von der alten Kirche blieb nur der Turm unberührt - nahm vier Jahre in Anspruch: und es fand die Einweihung der neuen Kirche durch den Hochwürdigen Herrn Superintendenten Dr. G.D. Teutsch am 25. Mai, Christi Himmelfahrt, 1870 statt. Die Kirche ist im Renaissancestil gebaut und macht auf den Beschauer einen recht befriedigenden und erhebenden Eindruck. Die Baukosten zusammt den bis jetzt entrichteten Zinsen für aufgenommene Kapitalien belaufen sich auf 21.723 fl. 43 Kr. Ö.W.

Zur theilweisen Deckung dieser Baukosten haben die Gemeindeangehörigen von 1857 bis 1875, also durch 19 Jahre, freiwillig beigetragen:

 

a) in Most 4763 siebenb. Eimer, Gelderlös dafür                      5111 fl   48 kr.

b) in Mais 513 Viertel in Kolben    "                                          194      94

c) durch Schotterprismen auf die Landstraße                           3373      39

d) in geleisteten Holzfuhren                                                      154      62

                                                                                  -----------------------------------------

                                                                       Zusammen     8834 fl    43 kr.

 

Vom evangel. Vereine der Gustav-Adolf-Stiftung hat die Gemeinde Unterstützung erhalten 2592 fl   60 kr.

An aufgenommen Darlehen hat die Gemeinde noch abzutragen 4392 fl  42 kr. österr. Währ., wovon der größere Theil in halbjährigen Annuitäten durch die nächsten 12 Jahre, d.i. bis 15. Juni 1888, zu amortisieren ist.

Wir sind somit noch mit einem bedeutenden Passivum belastet und es wäre zur Lösung desselben eine günstigere Zeit herbeizuwünschen, als eben die gegenwärtige ist. Doch das ist Sache Gottes, dem wir freudig danken, dass uns unter seinem Beistande und unter Mithilfe unserer nähern und fernern evangelischen Glaubensgenossen das Schwerste gelungen ist. Unser freundliches Gotteshaus steht ganz fertig da, ein Denkmal opferfreudigen Glaubens und christlicher Bruderliebe. Möge es immer eine würdige Pflegestätte reiner Lehre und wahrer Gottesfurcht sein und bleiben, auf dass die Herzen Aller, die darin ein- und ausgehen geheiliget werden zu Tempeln Gottes!

 (-) Dazugefügt durch neuere Ergebnisse der Erforschung. Hans Kirschlager, Pfarrer in Zuckmantel von 1964 bis 1968.

 1) Gustav-Adolf-Stiftung = Gustav II. Adolf, König von Schweden, versuchte während des 30jährigen Krieges gegen den katholischen Kaiser die "gerechte Sache", den Augsburger Religionsfrieden von 1555, wieder herzustellen. Dabei konnte er bis München vordringen und den arg in Bedrängnis geratenen Protestanten helfen. Gustav Adolf fiel am 06.11.1632 in der Schlacht bei Lützen. 200 Jahre nach seinem Tode wurde bei Lützen ein Denkmal gebaut. Eine Gruppe von Leipziger Bürgern wollte aber auch ein "lebendiges Denkmal" errichten und gründete die Gustav-Adolf-Stiftung. Jeder konnte darin Mitglied sein, auch mit einem geringen Geldbetrag. Die Zinsen kamen bedrängten evangelischen Glaubensgenossen zugute. Aus dieser Stiftung entwickelte sich das Gustav-Adolf-Werk der Evangelischen Kirche, das älteste evangelische Hilfswerk in Deutschland, das auch heute noch weltweit Protestanten in der Diaspora unterstützt.

2) Stampiglie = Stempel

3) Inquilin = Einmieter, Mitbewohner

4) Portio canonica = Kirchlicher Anteil (Abgabe)

5) unirt = hier: griechisch-katholisch (mit orthodoxen Elementen: z.B. darf der Pope heiraten)

6) Greislerei = Krämerladen

7) Joch (Maßeinheit, österreichisch) = 1.600 Quadratklafter = 5.754,642 m²

8) Quadratklafter (Maßeinheit, österreichisch) = 360,29 m²

9) fl. ö.W. = Gulden (österreichische Währung). /1 fl (Gulden) = 100 kr. (Kreuzer) = 9,157 Euro/

10) Fechsung = Ernte